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Masern – Prävention durch Information!

Im Lehrbuch der Kinderheilkunde aus dem Jahr 1975 wurden die Masern von Gerhard Joppich als „fliegende Infektion“ beschrieben, die sich durch Flure, von Stockwerk zu Stockwerk, ja sogar von Haus zu Haus ausbreitete. Man kam zu der Bewertung, dass neben den auftretenden Komplikationen (Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, bakterielle Zweitinfektionen, Krämpfe nach überstandener Erkrankung) und der lebensgefährlichen Gehirnentzündung durch Masern (Todesfolge bei 10-40 %) mit der hohen Defektheilung die Gutartigkeit der Krankheit einschränkt werden muss. Auch damals wurde schon auf die Impfung als Präventionsmaßnahme hingewiesen (1).

Weder damals noch heute wurden die Masern als harmlos angesehen!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der United Nations Children’s Fund (UNICEF) haben 2012 einen weltweiten Strategieplan zur Bekämpfung der Masern und Röteln entworfen (2). Im Jahr 2014 wurde der Europäische Impfaktionsplan (2015-2020) von allen 53 Mitgliedsstaaten angenommen, der unter anderem die Bekämpfung der Masern und Röteln durch Impfprävention zum Ziel hat (3). In Deutschland wurde der „Nationale Aktionsplan 2015-2020 zur Bekämpfung der Masern und Röteln in Deutschland“ erstellt. Auch dieser setzt sich das Ziel die Masern und Röteln in Deutschland zu bekämpfen. Als masernfrei gilt ein Staat dann, wenn pro eine Millionen Einwohner in einem Jahr weniger als eine, in dem Staat erworbene, Neuerkrankung auftritt (4).

Demnach dürften in Deutschland bei einer Einwohnerzahl von 83 Millionen im Jahr nicht mehr als 83 in Deutschland erworbene Masernneuerkrankungen auftreten (5).

Diese weltweiten Bemühungen, die sich auf europäischer und nationaler Ebene wiederspiegeln, unterstreichen die Wichtigkeit der Prävention von Masernerkrankungen durch Impfungen!

Die WHO warnt zurzeit vor einem großen Ausbruch auf den Philippinen bei dem schon 4300 Masernfälle seit Januar 2019 registriert wurden und 70 Menschen starben. Die WHO macht die niedrige Durchimpfungsrate von nur 70 % bei Kindern dafür verantwortlich (6).

In Europa gab es 2018 eine Rekordzahl an Neuinfektionen von 82.596 in 47 Ländern Europas. Insgesamt starben 72 Kinder und Erwachsene an Masern und fast zwei Drittel (61 %) der Masernfälle wurden in Krankenhäuser eingewiesen. Die Gesamtzahl, mit dem Virus infizierter Personen, war in der europäischen Region 2018 höher als zu jedem anderen Zeitpunkt im vergangenen Jahrzehnt. Es wird vermutet, dass trotz hoher Durchimpfungsraten in der Europäischen Union auf lokaler Ebene Impflücken bestehen, die erst bei Masernausbrüchen lokalisiert werden (7)!

Das Robert Koch-Institut stellt für alle einsehbar auf dem SurvStat@RKI 2.0 Internetportal (www.rki.de ) die gemeldeten meldepflichtigen Erkrankungen ab dem Jahr 2000 in Deutschland dar. Danach gingen die gemeldeten Masernerkrankungen von 6039 im Jahr 2000 auf 543 im Jahr 2018 zurück. In Sachsen wurden die meisten Fälle (217) im Jahr 2015 gemeldet, wobei der große Anteil in den Ballungsräumen Dresden und Leipzig zu finden war. Im Jahr 2018 wurden insgesamt acht Masernfälle in Sachsen gemeldet. Um als maserfrei zu gelten, dürften in Sachsen bei rund 4 Millionen Einwohnern nicht mehr als vier, in Sachsen erworbenen, Masernneuerkrankungen pro Jahr auftreten. Ein Fall von den acht gemeldeten Fällen im Jahr 2018 gehörte in den Landkreis Görlitz. Das dreijährige Kind, was sich am 07.12.2018 im Wartebereich der Notfallambulanz mit Masern bei einem deutschen Studenten aus München ansteckte, war unbeabsichtigt noch nicht geimpft worden. Alle Familienmitglieder hatten einen Impfschutz gegen Masern. Dadurch konnten Folgefälle innerhalb der Familie vermieden werden. Im Landkreis Görlitz gab es vorher nur 2001 und 2013 jeweils einen klinisch und labordiagnostisch bestätigten Masernfall. Im SurvStat@RKI 2.0 Internetportal findet sich noch ein Masernfall im aktuellen Jahr 2019, dieser wurde aber nur nach der Meldeadresse dem Landkreis Görlitz zugeordnet. Diese Person erkrankte in einem anderen Bundesland und infizierte sich auch außerhalb vom Landkreis Görlitz (5, 8, 9).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt auf der Internetseite www.impfen-info.de Aufklärungsmaterial zum Impfen zur Verfügung. Dort finden Sie eine Simulation, wie die Ausbreitung der Masern durch viele geimpfte Personen aufgehalten werden kann. Dieses Zusammenspiel von Personen, die durch Ihren Impfschutz andere gefährdete Personen schützen, nennt man Herdenimmunität. Die zu schützende Personengruppe umfasst Säuglinge, immungeschwächte Personen oder Menschen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung die eine oder andere Impfung nicht bekommen können. Sie sind darauf angewiesen, dass die Menschen in ihrem Umfeld geimpft sind und ihnen Schutz vor der Ausbreitung und Ansteckung mit der Krankheit bieten. Um die Masern zu bekämpfen, müssten mehr als 95 % der Bevölkerung geimpft sein (10).

Sie können sich und Ihre Umgebung vor Masernerkrankungen und deren Folgen nur durch Masernimpfungen schützen!

Die Sächsische Impfkommission empfiehlt bei Kindern ab dem 12. Lebensmonat die erste Mumps-Masern-Röteln-Impfung und ab dem 46. Lebensmonat die zweite MMR-Impfung. Erwachsene, die nach 1958 geboren wurden, sollten bei nicht erfolgter oder nicht dokumentierter Grundimmunisierung diese unverzüglich vornehmen: Zweimalige Impfung im Mindestabstand von 3 Monaten mit MMR oder einmalige Impfung und serologischer Immunitätsnachweis (11).

Wenn Sie sich Ihrer Impfungen nicht sicher sind, fragen Sie Ihren Arzt bzw. Kinderarzt oder wenden Sie sich an die Mitarbeiterinnen der Impfsprechstunde im Gesundheitsamt Görlitz. Die Impfsprechstunde findet jeden Dienstag von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr in der Reichertstraße 112 in Görlitz in der zweiten Etage im Zimmer 112 statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Landkreisseite www.kreis-goerlitz.de unter der Sucheingabe Impfsprechstunde.

Frau Dr. Undine Schultz

Literaturquellen

  1. Lehrbuch der Kinderkrankheiten, 23. Auflage, Gustav Fischer Verlag Stuttgart, 1975, Hrsg. Gerhard Joppich, 866 S.
  2. Global measles and rubella strategic plan : 2012-2020. © World Health Organization 2012, https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/44855/9789241503396_eng.pdf;jsessionid=F705AC080DB09C30C4A957F6AF2770A3?sequence=1
  3. Europäischer Impfaktionsplan (2015–2020), Regionalkomitee für Europa, 64. Tagung, Kopenhagen, Dänemark, 15.–18. September 2014, 2. September 2014, http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0006/257577/64wd15g_EVAP_Rev1_140459.pdf?ua=1
  4. Nationaler Aktionsplan 2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland. Hrsg. Bundesministerium für Gesundheit Referat Öffentlichkeitsarbeit, Berlin, 2015, https://www.gmkonline.de/documents/Aktionsplan_Masern_Roeteln_2.pdf
  5. Bevölkerungsstand (Stand Ende 2018), Statistische Bundesamt, https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.html
  6. Deutschlandfunk, WHO warnt vor Ausbreitung der Masern, 15.02.2019, https://www.deutschlandfunk.de/philippinen-who-warnt-vor-ausbreitung-der-masern.1939.de.html?drn:news_id=976175.
  7. Masern in der Europäischen Region: Rekordzahl an Erkrankten und Geimpften, Kopenhagen, 07.02.2019, http://www.euro.who.int/de/media-centre/sections/press-releases/2019/measles-in-europe-record-number-of-both-sick-and-immunized
  8. SurvStat, Datenstand (Berichtszeitraum) •§7.1 IfSG - vom 13.02.2019 (bis Ende 4. KW 2019), https://survstat.rki.de/Content/Query/Create.aspx
  9. Dreijähriges Kind hat Masern, Sächsische Zeitung, 22.01.2019, http://sw0075/ix2018/default.asp?qs_servlet=downloadIxServlet&rq_RecId=313031373534&qs_fileId=101780&qs_lastModified=1548143764565&qs_fileControl=8EFFF6DB9D96F6594334D82E6F176527D7C4C1A2
  10. Herdenimmunität, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, https://www.impfen-info.de/wissenswertes/herdenimmunitaet/
  11. Impfempfehlungen E 1, Sächsische Impfkommission, Stand 01.01.2019, http://www.gesunde.sachsen.de/Impfempfehlungen.html

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