Mehr als „nur“ eine Fotoausstellung

„Schwarz auf Weiß - FREUDE, HOFFNUNG, TRAUER - Jugendliche Kriegsflüchtlinge fotografieren ihre Emotionen" ist der Titel einer ungewöhnlichen und eindrucksvollen Ausstellung, die bis zum 5. Mai im Landratsamt Görlitz, Bahnhofstraße 24, 1. Obergeschosse, Haus B, zu sehen ist.

Mehr als 100 Gäste waren am 3. März der Einladung zur Vernissage gefolgt. Musikalisch umrahmte der international bekannte Panflötenvirtuose Edward Simoni die bewegende Veranstaltung.

Ausst JUnge Syrer 1 14 Jugendliche aus Syrien, ihr deutscher Freund aus Görlitz und ein Journalist, starteten im Oktober 2015 im Rahmen eines Programms des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, das Projekt des Jugendamtes beim Landkreis Görlitz. In acht Wochen entstanden in der Neißestadt und Umgebung Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien der jugendlichen Asylbewerber, die zurzeit in Görlitz wohnen.

Der Regisseur und Autor Bernard Marian Jéenel schrieb das Konzept und im Oktober 2015 konnten 14 arabische Jugendliche und ein deutscher Schüler aus Görlitz mit einem außergewöhnlichen Fotoprojekt gemeinsam beginnen. Die meisten der 14, 16, 18 Jahre und älteren Jungs besuchen seit ihrer Ankunft in Görlitz vor ein paar Monaten Gymnasien und Berufsschulen und sie kommen aus dem Kriegsgebiet Syrien.

Nach der Schule kümmern sie sich um jüngere Geschwister und helfen im Haushalt. Sie gehen einkaufen, spazieren, am Abend machen sie ihre Hausaufgaben und suchen untereinander eine Gemeinschaft. Es wird gekocht und Musik gehört. Viele wünschen sich auch Städte außerhalb von Sachsen kennenzulernen, doch die meisten dürfen es erst dann, wenn der Asylstatus anerkannt wird. Ausstellng JUnge Syrer 2

Fast jeden Tag durchforsten sie das Internet, um zu erfahren, ob der Rest der Familie und ihre Freunde in Syrien noch am Leben sind und welches Ausmaß der Krieg in Syrien annimmt. Das Smartphone dient nicht nur als elektronischer Übersetzer und Kommunikationsplattform, sondern bildet auch eine wichtige „Brücke" zwischen Deutschland und ihrer Heimat", ergänzt Projektregisseur Bernard Jéenel, „Nicht selten erstarren sie vor ihrem Handy, wenn sie erfahren, dass ein weiterer Freund im Kriegsgeschehen sein Leben verloren hat. Sie unterdrücken oft die Tränen und kaum jemand weiß, wie es in ihnen aussieht."

Die Aufgabe an die Jugendlichen lautete, mit der Hilfe von Fotokameras drei persönliche Gefühle fotografisch darzustellen: Freude, Hoffnung, und Trauer. Für die Meisten eine völlig neue Erfahrung, die durch gegenseitige Motivation, Disziplin, und Vertrauen zur Begeisterung wuchs. Der Workshop fand seinen Anfang in den Räumen der Sapos e.V., wo die jungen Menschen die Grundlagen der Fotografie mit Projektinitiator Jèenel, erlernen konnten.

Acht Wochen lang fotografierten sie in ihrem Wohnort Görlitz und dem Landkreis verschiedene Situationen und Motive, die ihre Emotionen wiederspiegeln sollten. Für den Projektleiter war es sehr wichtig, den Jugendlichen auf keinen Fall vorzuschlagen, was sie fotografieren sollten. Diese Entscheidung trafen die Teilnehmer selbst.

„Es ging um viel mehr, als nur die Fotos für eine Ausstellung vorzubereiten. Es ging auch um den Abbau von Ängsten und Vorurteilen. Integration heißt ebenso Vertrauen", sagt Jèenel und ergänzt: „Für den Einen stellt das Motiv der weißen Kondensstreifen eines Flugzeugs am Himmel den Gedanken an einer Reise dar. Der Andere sieht darin die Flugbahn einer Rakete und denkt an sofortige Flucht. Das ist nur eine der vielen ähnlichen Erfahrungen, die ich während der Arbeit mit der Gruppe erlebte."

Während den „Fotoreisen" entstanden Dialoge zwischen Einheimischen und den Teilnehmern, in denen zum größten Teil Vorurteile und Missverständnisse abgebaut werden konnten.

Im Verlaufe des Projektes verstarb unerwartet der syrische Dolmetscher der Gruppe. Aus eigenem Antrieb heraus, entschieden die Jugendlichen, auf weitere übersetzerische Hilfe zu verzichten und sich eigenständig und intensiv mit der deutschen Sprache zu befassen. Nach einigen Wochen übernahmen die Teilnehmer die Rolle des Übersetzers untereinander.

Panflötenvirtuose Edward Simoni Auch die vereinzelten Anfeindungen und sogar tätliche Übergriffe in der Öffentlichkeit, konnten die kreative Projektarbeit und das kulturelle Ziel nicht an der Verwirklichung hindern. Die Bilderausstellung und die Motive sind ein Versuch der Kommunikation und Integration und gegen Vorurteile und Gewalt.

Während der kreativen Arbeit wurden Hunderte von Fotos gemacht. 40 davon bilden Synonyme für Freude, Hoffnung und Trauer und dieser Fotos bilden eine sehenswerte Ausstellung und sind zugleich eine Einladung zum Dialog und zum Nachdenken.

Öffnungszeiten: Montag 8 bis 12 Uhr, Dienstag 9 bis 12 und 13:30 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 12 und 13.30-18 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 
Hausanschrift
Landratsamt Görlitz
Bahnhofstraße 24
02826 Görlitz

Postanschrift
Landratsamt Görlitz
PF 30 01 52
02806 Görlitz

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Öffnungszeiten

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