Heizen mit Strom?

 

 

Nachtspeicherheizung und Infrarot-Flächenheizung im Fakten-Check

 

Heizen mit Strom gilt als ineffizient und teuer. Dennoch wurde die gesetzliche Vorschrift, elektrische Nachtspeicherheizungen auszutauschen, zurückgenommen. Elektrische Infrarot-Flächenheizungen werden von den Herstellern sogar als besonders kostengünstig und klimafreundlich beworben. Dipl.-Ing. Ulrike Körber, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen, erläutert beide Technologien.

 

Der Austausch elektrischer Nachtspeicherheizungen ist nicht mehr verpflichtend. Die Heizungen könnten nämlich, so das Argument, eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen, indem Strom aus erneuerbaren Energien, z. B. der Windkraft, in privaten Speicherheizungen „zwischengespeichert“ würde. „Die Idee ist gut“, bestätigt Ulrike Körber, „die Praxis ist aber leider schwierig: In den entsprechenden Regionen sind gar nicht genug Speicherheizungen angeschlossen, um die Netze tatsächlich spürbar zu entlasten. Außerdem sind viele Anlagen nicht vom Netzbetreiber aus der Distanz regelbar – damit können sie gar nicht bei Bedarf zugeschaltet werden. Und so bleiben Nachspeicherheizungen in erster Linie Strom- und Geldfresser.“

 

Bei der mit Strahlungswärme heizenden Infrarot-Flächenheizung, die als Alternative zur Nachtspeicherheizung beworben wird, reichen laut den Herstellern niedrigere Raumtemperaturen aus für ein behagliches Wohnklima. Allerdings verbraucht die Infrarotheizung vor allem tagsüber Strom zu durchschnittlich 28 Cent pro kWh (zum Vergleich: Gas und Heizöl ca. 6 Cent/kWh, Holzpellets ca. 5 Cent/kWh). „Diese hohen Betriebskosten einer Infrarotheizung werden auch durch die relativ niedrigen Anschaffungskosten nicht wettgemacht“, stellt Ulrike Körber klar. „Und klimafreundlich sind Elektroheizungen übrigens auch nur mit einem zertifizierten Ökostromtarif – sonst ist die Klimabilanz schlechter als bei anderen Energieträgern.“

 

„Generell sind Elektroheizungen also nur in wenigen Einzelfällen sinnvoll“, fasst Ulrike Körber zusammen. „Allerdings ist der Umstieg auf ein anderes Heizsystem auch nicht ganz unkompliziert, denn Leitungen müssen verlegt und Heizkörper montiert werden.“ Bevor über den Austausch der Heizung entschieden wird, sollten Verbraucher daher unbedingt eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen.

 

Bei allen Fragen zu Energieeffizienz im Haushalt und effizienten Heizsystemen hilft die anbieterunabhängige Energieberatung der Verbraucherzentrale Mietern wie Eigentümern: online, telefonisch oder mit einem persönlichen Beratungsgespräch. Für einkommensschwache Haushalte mit entsprechendem Nachweis sind die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Beratungsangebote kostenfrei. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder unter 0800 – 809 802 400 (kostenfrei).

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